Andacht zum Buß- und Bettag
Buß- und Bettag ist heute. Deshalb gibt es heute mal ein
paar Betrachtungen dazu. Seit 1995 ist dieser Tag kein gesetzlicher Feiertag
mehr. Was ein Wunder, hieß der Tag doch im Volksmund Bus- und Bett Tag.
Irgendwie war die Bedeutung dieses Tages verloren gegangen. Seit dem es ist
diesem Tag auch nicht besser gegangen. Statt des morgendlichen Gottesdienstes
und der Andacht am Nachmittag gibt es nun einen Gottesdienst am frühen Abend.
Mich hat deshalb interessiert, was so in den heutigen Nachschlagewerken
über diesen Tag geschrieben steht. So z.B. bei Wikipedia:
Der Buß- und Bettag
in Deutschland ist ein Feiertag der evangelischen Kirche,
der auf Notzeiten zurückgeht. Er wurde im Lauf der Geschichte für besondere
Anliegen angesetzt, aber oft nicht am selben Datum. Im 20. Jahrhundert wurde er
wie auch heute meist am Mittwoch
vor dem Ewigkeitssonntag,
dem letzten Sonntag des evangelischen
Kirchenjahres, begangen, also elf Tage vor dem ersten Adventssonntag bzw. am
Mittwoch vor dem 20. November.
Das Wort „Buße“ lässt
in manchen Regionen des deutschen Sprachraums unrichtige Assoziationen
aufkommen. Es geht bei diesem Tag nicht um Büßen für
begangene Vergehen im Sinne von „bestraft werden“, sondern um eine Buße
im Sinne der Reue für begangene Sünden, und eine Umkehr
und Gesinnungsänderung zu Gott hin.
Wir könnten diesen Tag so dringend gebrauchen, denn es gibt
keine Zeit mehr, das eigene Handeln zu reflektieren. Die Politik scheint so
gehetzt zu sein, dass es eine Rückbesinnung nicht mehr gibt. Im Arbeitsleben
herrscht oft eine „Verdichtung der Zeit“. Das heißt immer mehr von immer
weniger Leuten in kürzerer Zeit. Wer soll da noch darüber nachdenken, was
falsch gelaufen ist? Und auch in unserem so genannten Privatleben ist es so.
Das Gefühl der knappen Zeit lässt uns das „Hamsterrad“ erleben. Wir haben kaum
noch Zeit füreinander.
Um so wichtiger ist dieser Tag. Buße tun hat für uns
evangelische nichts mit bestraft werden zu tun, sondern es geht um eine innere
Umkehr mit der Bitte um Vergebung. Das Opfer hat Jesus als ein Selbstopfer
schon geleistet. Innere Umkehr braucht die Rückbesinnung, die Reflektion. Sie
braucht das Gebet, um sich Gott zu nähern. Unsere Sünden zu uns nehmen, nicht
mehr auf andere zu zeigen, ist die Haltung, die zählt. „Ich war´s“, war das
Motto der Aktion 7 Wochen ohne. Ich war´s heißt, ich habe gegen Gebote
gehandelt, ich habe mich über andere gestellt, ich habe andere bewusst verletzt.
Es rückt die Maßstäbe wieder zurecht. Ich war´s führt mich in die Gemeinschaft
zurück die ich belogen, betrogen oder sonst was hab.
Wie geht das mit der Buße? Wie macht man das? Denk nach. Was
habe ich getan oder nicht getan? War das richtig? Diese Frage ist wichtig, denn
nicht jedes Schuldgefühl ist auch eine Sünde, die zu bekennen wär. Sprich vor
Gott aus, was du getan hast, benenne es, nimm es zu dir. Ließ ein Wort der
Bibel, welches dir die Vergebung zusagt, z.B. Wenn wir aber unsere Verfehlungen eingestehen, können wir damit
rechnen, dass Gott treu und gerecht ist: Er wird uns dann unsere Verfehlungen
vergeben und uns von aller Schuld reinigen. 1.
Johannes 1,9
Als letztes kannst du überlegen, was du tun kannst, damit
das nicht wieder vor kommt. Oder musst du mit irgend jemand etwas klären, dich
entschuldigen?
Wenn du das allein nicht kannst, oder sich die Gewissheit
der Vergebung nicht einstellen will, dann suche dir einen anderen Christen und
beichte in seiner Gegenwart, auch wenn dir das peinlich vorkommt. Wenn ein
anderer mir die Vergebung zuspricht, kann ich es eher glauben.
Damit kannst du am Buß- und Bettag anfangen, auch wenn er
kein gesetzlicher Feiertag mehr ist.
Euer Henning
Bremen im November 2011
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