Sonntag, 6. November 2011

5. Andacht aus dem Krankenhaus


Andacht zum Wochenspruch am 6. November 2011-11-06

Siehe, jetzt ist die Zeit der Gnade, siehe, jetzt ist der Tag des Heils! 2. Korinther 6,2

Nun, jetzt, nicht morgen, nicht gestern, jetzt! Gern leben wir so, nicht abwarten, jetzt will ich leben. Alles muss sich sofort ereignen. Leider klappt das nicht immer. Viele Jugendliche geben bei Facebook bekannt, dass die Woche grausam, aber dass Wochenende der Knaller ist. Dann muss es aber auch alles bringen. So las ich neulich bei einem Mädchen den Ablauf ihres perfekten Wochenendes.

Wir hätten gern immer Glück und Zufriedenheit, ohne Gedanken an das Gestern und Morgen. Fast wie eine Sucht nach perfekter Harmonie und Vollkommenheit.
Leider wissen wir, so läuft das nicht. Wer das Leben auspresst wie eine Zitrone, hat ein mühsames Leben. Wirkliche große Glücksmomente sind selten. Eher liegt so manches Glück im Kleinen, im Alltäglichen. Eine Begegnung mit lieben Menschen, ein kleines Naturerlebnis am Rande, die Libelle auf dem Knie, wenn etwas gelingt, was sonst schwer fällt. Sich vertragen, wo Unfriede war. Sehen, wie Menschen sich positiv verändern. Eine Berührung im richtigen Moment. Holz hacken im Wald. Musik an die Seele lassen. Du kannst ja hinzufügen, was du an kleinen Glücksmomenten erlebst.

Nun fragst du dich vielleicht, was das mit dem Wochenspruch zu tun hat. Sehr viel. Denn wenn es auch bei Gott so wäre, dass wir einmal im Jahr eine große Audienz bekämen, dann hätten wir doch schon längst aufgegeben. Nein, jetzt, heute, genau jetzt ist er da, der Tag des Heils. Das heißt Gottes Ewigkeit ist immer da. Jetzt ereignet sich das volle Leben. So bekommt mein Alltag einen ganz anderen Glanz. So wird auch das Gewöhnliche geheiligt. So wird das Gewöhnliche zum Lebensraum, in dem sich Ewigkeit ereignet. Ist das nicht verrückt? Gott ist in deinem Alltag, in der Schule, in der Firma usw.

Zu viel versprochen? Zu steil? Nein, denn Paulus versteht das nicht als Wohlfühlreligion. Er missbraucht Gott nicht für sein ewiges Wohlbefinden. Ihn treibt es an, seine Aufgabe gut zu tun. Ihn treibt es an, mit Menschen gut umzugehen. Ihn treibt es an, in die vielen Widerständen nicht zu verzweifeln. Lest es mal nach, ihn krempelt diese Botschaft um. Und so erlebe auch ich in aller Bedrohung meines Lebens: Siehe, jetzt ist die Zeit der Gnade, siehe, jetzt ist der Tag des Heils!

Euer Henning

Bremen im November 2011

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