Montag, 7. November 2011

6. Andacht aus dem Krankenhaus


Andacht zur Losung am 7. November 2011

Was du, HERR, segnest, das ist gesegnet ewiglich. 1. Chronik 17,27

Heute Morgen haut es mich um. Ich bekomme heute meine Stammzellen wieder, was eigentlich eine ganz lustige Prozedur ist, mit tiefgefrorenen Zellen, die dann aufgetaut werden und gut gekühlt in die Venen gelangen. Das Konservierungsmittel macht einen eigenartigen Geschmack, gegen den ich Gummibärchen bekomme. Die Ganze Station riecht dann nach Stammzellen, sagt der Arzt, oder war es das Konservierungsmittel?

Das haut mich aber (noch) nicht um. Sondern mich überkommt heute Morgen ein großes Gefühl: Ich bin ein gesegneter Mensch. Tausend Dinge schießen mir durch den Kopf. Aufgewachsen bin ich in einer Umgebung, die mich in den meisten Gebieten des Lebens lebenstüchtig gemacht hat. Das Zutrauen meines Vaters hat mir viel Selbstvertrauen gegeben. So habe ich mit 14 Jahren die gesamte Inneneinrichtung des Futterstandes für 25 Sauen gebaut, geschweißt und zementiert. Immer mit Hilfe meines Vaters, der aber den Haupterwerb in der Landwirtschaft schon aufgegeben hatte und beruflich nun anders engagiert war. Banal? Nein, denn hier entwickelten sich Fähigkeiten Lösungen zu suchen und umzusetzen. Was bin ich gesegnet!

In unserem Dorf waren wir eine große Anzahl von Kindern und Jugendlichen, Sozialverhalten musste uns nicht durch „Fachleute“ beigebracht werden. Wir waren immer ein großes Team, in dem jeder seinen Platz hatte. Auch ich als eher unsportlicher Mensch wurde geehrt und hatte meinen Platz. Sicher, manchmal haben wir uns auch geprügelt. Aber das gehört dazu und hilft einem Menschen, seinen Platz als Teil einer Gemeinschaft zu finden und nicht immer der Boss sein zu müssen, oder sich klein und unbedeutend zu machen. (Obwohl, Viddel 12, manchmal bin ich unwürdig) (Insider). Was bin ich ein gesegneter Mensch.

Christenmenschen kennen zu lernen, deren Leben einigermaßen interessant war, war mir vergönnt. Menschen, die fanden, dass auch ich zu den „Erlösten“ gehören sollte. Menschen, die mir nachgegangen sind und auch krumme Wege ertragen haben. Menschen, die mich einluden, auch diesem Jesus zu folgen. Was bin ich gesegnet.

Dann möchte ich Herrmann nennen, der mir den weg ins Johanneum bahnte. Ich hielt mich für nicht geeignet, denn das Johanneum hatte den guten Ruf, von den Studierenden einiges zu fordern. Nachdem mich eine Schule bei Basel zwei mal abgelehnt hatte und ich aus lauter Not meine Schulbildung bis zur Fachhochschulreife verbesserte, war es Herrmann, der mir den Mut gab, mich in Wuppertal zu bewerben. Was bin ich immer wieder mit Menschen gesegnet worden, die meinen Weg kreuzten.

Ich, ja ich, als Bengel vom Land habe Altgriechisch gelernt. Jawohl. Ich habe gelernt, dass man seine Möglichkeiten erweitern kann. Theologisch vernünftig zu denken, habe ich gelernt, habe die Bibel auf ganz neue Art und weise erfasst. Ich bin zwar kein Intellektueller geworden, aber meine Arbeit begründen und reflektieren, das habe ich gelernt. Letztlich stand bei meinem Abschlusszeugnis eine 2 vor dem Komma. Was nicht nur mich, sondern auch meine Lehrer stolz machte. Ein gesegneter  Mensch bin ich.

Gesegnet auch mit einer ganz besonderen Person, meiner Ehefrau. Welch ein Vorrecht, einen Menschen zu haben, der mich liebt und annimmt und trotz aller Reibung nicht an mir verzweifelt. Durch Dick und Dünn sind wir gegangen. Wir sind ein tolles Team. Und dann meine Kinder. Drei tolle junge Frauen, die ihren Weg machen. Die sich in die Welt wagen. Herrlich, das anzusehen. Was bin ich doch gesegnet.
Ich habe eine Job, der meine Berufung ist. Das ist nicht immer leicht, weil manchmal muss der Job auch Job bleiben und darf nicht alles dominieren. Aber ich als Universaldiletant habe ein tolles Betätigungsfeld. So Vielseitig ist kaum ein Beruf. Ich bin Seelsorger, Hausmeister, Techniker, Vordenker, Reiseleiter, Handwerker, Prediger, Musiker, und selbstständig. Nun ist der Nachteil bei Selbstständigen ja der, dass sie 1. selbst und 2. ständig arbeiten, aber ich liebe die Freiheit meines Berufs. Ich darf mit jungen Menschen arbeiten, habe vielen von ihnen Prägung und Richtung geben können. Ich bin jung geblieben. Reich gesegnet bin ich.

Und nun warte ich hier auf meine Stammzellen. Das wirkt schon fast ein bisschen banal gegenüber den reichen Segnungen meines Lebens. Aber vielleicht bin ich dann ja auch mit einem gesunden Knochenmark gesegnet.

In froher Hoffnung verabschiede ich mich bis morgen.

Euer Henning

Bremen im November 2011

2 Kommentare:

  1. Lieber Henning,

    seit einer Stunde sitze ich vor dem Computer und will arbeiten.
    Aber ersteinmal lese ich Deine Krankenhaus-Andachten, wie jeden Tag. Und wie jeden Tag lese ich auch die von den Tagen davor noch einmal.... ich denke nach, ich scrolle noch einmal zur Losung hoch, freue mich über Deine Gedanken und: Bin sehr beeindruckt!!!

    Beeindruckt von der Kraft, die Du aus Deinem Glauben ziehst, von dem Wechsel aus allgemeinen und sehr persönlichen Worten (besonders die von heute) und von dieser Mischung aus Ehrfurcht, Leichtigkeit und Gelassenheit, mit der Du Deine Andachten würzt. Ich vergesse beim Lesen mitunter tatsächlich, in welcher kräftezehrenden Prozedur Du Dich gerade befindest ... und frage mich: Wie schaffst Du das. Wahnsinn!!
    Die Antwort steckt natürlich in Deinen Andachten...

    Vielen Dank, Henning, dass Du mir jeden Tag ein bisschen Besinnung und Nachdenken schenkst.
    Sei umarmt von mir
    Dagmar

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  2. Hallo Henning,

    Feierabend ist ............
    nach einem anstrengenden Tag nach Hause zu kommen und deine tolle Andacht zu lesen.
    Wir freuen uns auf Morgen !!

    Liebe Grüße von den
    Wellbrock´s

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